Diese 5 Comics laden in bildgewaltige Universen ein

Künstlerisch, spannend, komplex - in solchen Welten versinken auch Erwachsene gerne

Diese 5 Comics laden in bildgewaltige Universen ein

Wer an Comics denkt, dem fallen in der Regel zunächst die aktuellen Superhelden ein, die auf den Leinwänden der Kinos dieser Welt Bösewichte jagen und unsere Welt immer wieder aufs Neue vor dem Untergang retten. Wonder Woman, Superman, Iron Man, The Avengers und Justice League sind nur einige bekannte Vertreter. Das all diese Filme auf jahrzentealter Comic-Kultur basieren, die auch heute noch wächst und gedeiht, ist vielen nicht bewusst. Und dass die besten Comics für Erwachsene nicht zwingend dem Marvel oder DC Universum entsprungen sein müssen.

Comics sind doch Kinderkram - oder?!

Falsch gedacht! Wir lieben Comics und sind der festen Überzeugung dass Comics sowohl künstlerische als auch erzählerische Meisterwerke sind. Wer sich in die bildgewaltigen Welten begibt, wird mit komplexen Erzählungen und vielschichtigen Charakteren belohnt.

Mittlerweile ist die Vielfalt an Genres und Nischen so groß, dass sich immer mehr Erwachsene zum ersten Mal mit dem Thema auseinandersetzen. Die Ansprüche der Erwachsenen sind hoch, daher haben wir einige Comics ausgesucht, die absolut empfehlenswert sind.

Low

Unterwasserlandschaft aus dem comic low

Autor: Rick Remender
Zeichner: Greg Tocchini
Verlag: Marvel Comics


Die Geschichte von "Low" spielt in weiter Zukunft. Die Erde droht von der immer größer werdenden Sonne verschlungen zu werden und es gibt noch keine Lösung, wie die Menschheit gerettet werden kann. Die Welt ist hoffnungslos und todgeweiht - Gesellschaftliche Regelungen gelten nicht mehr und die Bewohner der Erde folgen dem Gesetz des Stärkeren.


Dieser Comic begeistert dank einer weiblichen Hauptrolle, eines komplexen Handlungsstrangs und beeindruckenden, modernen Illustrationen.

Sandman

schwarz-weiß zeichnung aus dem comic sandman

Autor: Neil Gaiman
Zeichner: Sam Kieth
Verlag: Panini


Eines vorweg: "Sandman" ist die meist ausgezeichnete Comic-Serie der Welt. Neil Gaiman, der bereits erfolgreich Kinderbücher geschrieben hat und Fantasyfans global bekannt sein dürfte, verbindet in seiner 76 Bände umfassenden Geschichte rund um Dream auf intelligente Weise moderne Mythen und düsterer Fantasy, zeitgenössische Literatur, historisches Drama und Legenden.

Die Geschichte beginnt im Jahre 1916, als der englische Magier Roderick Burgess den Versuch unternimmt, den Tod in persona, Death, zu fangen, aber stattdessen dessen kleinen Bruder Dream erwischt. Beide sind unsterblich. Sie gehören zu den sogenannten Ewigen: unsterbliche Wesen, die vom Universum selbst geschaffen und mit verantwortungsvollen Aufgaben betraut wurden. So gibt es die Inkarnation des Todes, der Verzweiflung und der Träume. Dream, der Herrscher über die Träume greift nicht immer aktiv in die Menschheitsgeschichte ein, ist oftmals passiv unterwegs. Dafür muss er sich mit seinen eigenen, oftmals allzu menschlichen Problemen herumärgern - einer manchmal nervigen Familie oder der Angst vor Veränderung.
Neil Gaiman erschafft hier eine Welt, die von Bildern begleitet, aber nicht getragen wird.

Darth Vader

Lichtschwertkampf im All

Autor: Kieron Gillen
Zeichner: Salvador Larroca
Verlag: Marvel Comics


Seit über 4 Jahren erscheinen immer neue, offizielle Geschichten , die die alten Figuren der “Star Wars”-Reihe behandeln. In Kieron Gillens "Darth Vader" paaren sich derber Sarkasmus, Ironie und Drama mit dem detaillierten und eleganten Stil des Zeichners Salvador Larroca und schaffen so ein Meisterwerk. Statt Vader zu stark zu vermenschlichen, wird in insgesamt fünf Bänden gezeigt, wie autoritäre Diktatoren der Gesellschaft und der Welt schaden.

In der “Darth Vader” Reihe geht es um den Krieg des Imperiums gegen die Rebellenallianz aus Sicht der dunklen Seite. Als Vader einen persönliche Rachefeldzug gegen die Rebellen anstrengt und die geheimen Machenschaften des Imperators untersucht, stößt er mit dem Waffenhändler Aphra und den tödlichen Kampfdroiden zusammen und kehrt nach Geonosis zurück, um eine Armee aufzubauen. Aber einige sehr mächtige Leute wollen nicht, dass er die Wahrheit findet, die er sucht!

Injustice - Götter unter uns

comiczeichnung von superman, der den joker tötet

Autor: Tom Taylor und Mike S. Miller
Zeichner: Jheremy Raapack
Verlag: Panini

Im Alternate Universe der Injustice-Reihe wird der Held von DC, Superman, zu einem überzeugten und verdammt bösen Diktator. Lange Zeit war er der Verteidiger der Menschheit und die Verkörperung von Edelmut – als jedoch der Joker Supermans geliebte Lois Lane und seinen ungeborenen Sohn tötet, bricht der Held mit seinen eigenen Regeln. In seinem Schmerz beschließt er, mit stahlharter Faust alle Ungerechtigkeit und jedes Verbrechen von der Welt zu tilgen! Er wird zum gnadenlosen Weltdiktator, unterstützt von ehemaligen Helden wie Flash, Green Lantern und Wonder Woman – und sieht sich auf einmal einem Krieg gegen Batman und dessen Getreuen gegenüber, die sein Terrorregime beenden wollen.

Düster, spannend, mit vielschichtigen Charakteren fesselt der Comic ab der ersten Seite.  Die gekonnten Zeichnungen von Jheremy Raapack tragen ihren Teil zu diesem Gesamtkunstwerk bei.

Panter

coverdarstellung Panter

Autor und Zeichner: Brecht Evens
Verlag: reproduct


Christine lebt mit ihrem Vater und der Katze Lucy in einem großen Haus. Als Lucy plötzlich stirbt, vergräbt Christine sich trauernd in ihrem Zimmer. Da öffnet sich ihre Kommode und heraus kommt ein Panter. Er stellt sich vor als Octavianus Abracadolfus Pantherisu, Kronprinz von Panterland. Der Panter tröstet Christine und bringt sie zum Lachen, mit seinen Geschichten erschleicht er sich ihr Vertrauen und übernimmt allmählich die Kontrolle über ihr Leben. Als schließlich die seltsamen Freunde des Panters auftauchen, wird es bedrohlich.

Denn was wollen diese Gestalten eigentlich? Vielleicht Freundschaft? Nein. Der Belgier Brecht Evens zeigt auf beunruhigend unschuldige Weise die Dynamiken von Grooming, Missbrauch und Gewalt. Trotz farbenfroher Zeichnungen klebt eine düstere Atmosphäre zwischen den Seiten.

Die Comic-Giganten Marvel und DC - So eroberten sie die Welt

comics in einem comicladen

Fast 80 Jahre ist es her, als ein Heft herausgebracht wurde, das von Übermenschen erzählte, die die Realität dieser Welt nicht kümmerte. Damals hieß der Verlag noch Timely Publications, erst 1962 wurde er in Marvel Publishing umbenannt und gehört mittlerweile zum Disney Konzern. Die ersten Hauptfiguren der Heftchen hatten mit den heutigen Superhelden jedoch noch nicht viel gemein. The Human Torch und The Sub-Mariner standen für die Elemente Feuer und Wasser und waren in erster Linie brutal: Namor der Sub-Mariner besaß übermenschliche Kräfte und konnte unter Wasser atmen. Sein erstes Abenteuer endet jedoch damit, dass er mit bloßen Händen ein Schiff an den Klippen zertrümmert und einige Taucher ermordet, weil er sie für Roboter hält. The Human Torch – die menschliche Fackel – war dagegen tatsächlich ein amoklaufender, entflammter Roboter.


Erst im Jahr 1941 wurde der erste klassische Held geboren. Ein Patriot, der für die Freiheit und Amerika in den Krieg zog, um, wie sollte es anders sein, die Nazis zu bekämpfen. Bei besagtem Patrioten handelt es sich um den zum Supersoldaten Captain America mutierten Schwächling Steve Rogers. Mit Sternenbanner ausgestattet ist er seit dem der Inbegriff amerikanischen Patriotismus. „Wir werden dich Captain America nennen, Sohn! Denn genau wie du soll Amerika die Kraft und den Willen aufbringen, unsere Küsten zu schützen!“, schrieb Joe Simon, Comiczeichner, -autor und Mitschöpfer des Superhelden, in einer der Sprechblasen in „Captain America Comics #1“.


Captain America ist uns bis zum Jahr 2018 erhalten geblieben und jagt mittlerweile vermehrt Superschurken, statt Nazis. Der dienstälteste Held im Marvel-Universum ist in seinem ungebrochenen Heroismus allerdings eine Ausnahmeerscheinung. Wer sich in der Marvelwelt auskennt weiß, dass dieses charakterliche Überbleibsel der Vergangenheit von den jüngeren, oder auch aktuellen Superhelden gerne Mal verspottet wird. 

Marvel Publishing bevorzugt heute eher Charaktere und Außenseiter mit deutlich düsteren Tendenzen und Geschichten, in denen Gut und Böse nah beieinanderliegen. Die Schwächen der Superhelden sind in der Regel genauso groß wie ihre Stärken. Die heute bekanntesten Comic-Helden stammen fast alle aus den 60er Jahren, wie zum Beispiel Die Fantastischen Vier (1961), Spider-Man (1962), Hulk (1962), Thor (1962), die X-Men (1963), Iron Man (1963), Daredevil (1964) oder der Silver Surfer (1966).

Einen Großteil der Superstars des immer weiter expandierenden Marvel-Universums hat sich Stan Lee ausgedacht. Der Comicautor hatte 1941 als 19-Jähriger bei Marvel angefangen und befüllte zunächst nur die Tintenfässchen der Zeichner. Gemeinsam mit den Zeichnern Jack Kirby und Steve Ditko bildete er ab 1960 dann das Marvel-Dream­team und prägte den Verlag nachhaltig.


Stan Lee sagte einmal, Comics seien für ihn die Märchen für Erwachsene. Und auch, wenn Marvel mittlerweile den Fokus auf die Filmproduktion legt und die Filmadaptionen der Marvel-Heldenstorys erfolgreicher sind als die Comics selbst, zeigen diese nur einen Bruchteil des gigantischen Universums der Fantasie, das vor 75 Jahren entstand – und das noch immer täglich weiter wächst.


Der Antagonist - Die DC Comics

DC Comics ist neben Marvel Comics einer der größten amerikanischen Comicverlage. Er wurde im Jahr 1934 von Malcolm Wheeler-Nicholson als National Allied Publications gegründet. Der heutige Name „DC Comics“ leitet sich von einer der ersten, sehr erfolgreichen Comicserien des Verlages, Detective Comics, ab, die seit 1937 erscheint. 1938 wurde eine weitere Reihe mit dem Titel Action Comics veröffentlicht. Bereits im ersten Heft trat ein kostümierter Superheld namens Superman auf. Die erste Ausgabe von "Action Comics" mit Superman auf dem Cover wurde den Kioskverkäufern regelrecht aus der Hand gerissen und musste gleich mehrfach nachgedruckt werden. Der Verlag wusste gar nicht, wie ihm geschah. Denn der hatte die Geschichte um Superman bereits zweimal abgelehnt, mit der Begründung, das Material sei zu kindisch. Am Ende hatte es die Geschichte um den geschniegelten Kraftprotz nur ins Heft geschafft, weil es an Material fehlte, um die Seiten zu füllen. Doch selbst nach dem immensen Erfolg, wollten die Verleger noch nicht an den Mann in Strumpfhosen glauben. Schließlich teilte er sich das Heft mit einigen anderen Superhelden-Geschichten. Erst als eine Umfrage ergab, dass wirklich der Mann aus Stahl die Leser so begeistert hatte, wurde der Held zur Hauptfigur einer eigenen Comicreihe und legte so den Grundstein des DC-Imperiums. Geschaffen wurde die Figur von zwei Freunden aus Cleveland in Ohio: Jerry Siegel und Joe Shuster.

Doch Superman sollte nicht der einzige erfolgreiche Charakter im DC-Universum bleiben. Es folgten die Helden Batman (1939), Wonder Woman(1941), The Flash (1940) und Green Lantern (1940). DC Comics waren zunächst freundlicher, die Charaktere deutlicher einer Seite wie gut oder böse zuzuordnen und die Rettung der Welt war zentrales Erzählelement. Allerdings begann bereits in den 80ern ein Wandel hin zu »grim’n’gritty«, also grimmig und düster. Außerdem schaffte DC die zahlreichen Paralleluniversen ab, in denen die Handlungen der jeweiligen Helden spielten, um sie auf der Erde in einem Zeitstrang wieder zusammenzuführen. Das bildete auch die Grundlage für die Justice League: Ein Zusammenschluss verschiedener Superhelden in einer Geschichte, die gemeinsam die Welt retten. Dies gelingt ihnen nur, indem sie ihre komplementären Fähigkeiten bündeln und gemeinschaftlich einsetzen.


Der Comic Code als Jugendschutz

Nachdem die zahlreichen Superhelden-Geschichten ihren Durchbruch feiern konnten und das goldene Zeitalter der Comics begann, wurden etwa ab dem Ende der vierziger Jahre Stimmen laut, die den Comics eine verrohenden Einfluss auf die Jugend nachsagten. Auf die immer stärker werdende Kritik reagierten die Verlage, indem sie aus ihren Comics zahlreiche Darstellungen streichten: Auf Nacktheit wurde fortan verzichtet, es durfte nicht mehr geflucht werden und die Begriffe "Horror" und "Terror" wurden aus den Titeln von Comics verbannt. Außerdem wurden im Rahmen des Comic Code auch jegliche Sympathiebekundungen für Gangster, das Zeigen der Ausführung eines Verbrechens und sogar Scheidungen gestrichen.

Und wieder 40 Jahre später, in den 80ern gelang es den Comicverlagen, sich aus dem moralischen Korsett zu befreien. Behilflich waren ihnen dabei ausgerechnet ihre Fans. Diese hatten nämlich eine aktive und starke Community rund um ihre Lieblingscomics gebildet, tauschten sich aus, sponnen Geschichten weiter und machten ihr Hobby teilweise zum Beruf - indem sie Comic-Läden eröffneten. Der Clou: Die Comic-Läden waren vom Comic Code ausgeschlossen. Dieser reglementierte lediglich den Verkauf durch Kioske. Und so begannen die Verlage zügig, die Comic-Läden mit neuem Material zu versorgen, das weitaus düsterer war, als alle Exemplare die Jahre zuvor. Eine der ersten Superhelden-Geschichten, die durch dieses Schlupfloch das Licht der Welt erblickte, war "Batman - Die Rückkehr des Dunklen Ritters" von Frank Miller. In ihr ist der Fledermausmann nicht mehr der agile, glattgebürstete Kämpfer für Recht und Ordnung, sondern 55 Jahre alt, eigentlich seit zehn Jahren in Rente und ganz und gar nicht auf der Höhe seiner Kräfte. In einem heruntergekommenen Gotham kämpft er nicht mehr nur gegen Bösewichte, sondern ringt vor allem mit seinen eigenen Dämonen.

Es folgten andere Künstler, die in wenigen Jahren das Muster der immer gleichen Comic-Geschichten - Held trifft auf Bösewicht, Held erledigt Bösewicht, Held trifft auf neuen Bösewicht - durchbrachen. Künstler wie Neil Gaimans entwarfen sogar vollkommen neue Universen, wie beispielsweise in seiner "Sandman"-Reihe, oder sie verliehen ihren Helden eine bis dato nie gekannte Tiefe und innere Zerrissenheit wie Alan Moore mit Watchmen.

Es zeigt sich, das die Welt der Comics weitaus komplexer ist als viele denken und so vielseitig, dass für jeden Geschmack etwas dabei ist. Auch fernab der klassischen Superheldencomics.