In den 1980er Jahren waren Ghettoblaster der letzte Schrei: Aus den sperrigen Kästen mit eingebautem Kassettendeck schallten Bässe und Gesang von Michael Jackson, den Beastie Boys oder Rick Astley. Gute alte Zeiten. Heutzutage wird die Musik als MP3- oder FLAC-Datei direkt vom Smartphone abgespielt. Richtig zur Geltung kommen die Stücke allerdings erst durch die Ausgabe auf einem ordentlichen Lautsprecher, der über die drahtlose Bluetooth-Technik ohne Kabel mit dem Tonkanal versorgt wird und den Smartphone-Klang qualitativ um ein Vielfaches verbessert. Bluetooth-Lautsprecher gibt es für diverse Einsatzzwecke und -orte – als günstige und einfache Variante oder als optisch edle und klangtechnisch hochwertige Ausführung für Daheim, als robuste Version für unterwegs oder etwa als wasserdichtes Modell für die Dusche oder die Party am Strand.

comprigo hat aktuelle Bluetooth-Lautsprecher getestet und stellt für sechs Modelle für unterschiedliche Einsatzzwecke vor. Im Test wurden die Kriterien Klang, Design, Verarbeitung, Lieferumfang und Ausstattung berücksichtigt – so konnte objektiv herausgehört und herausgefunden werden, welche Lautsprecher einfache Krawallbrüder waren und welche das Zeug zum Schlager haben. Das Resultat: Höhenflüge beim Hörgenuss, wie sie ausgewachsene Hifi-Boxen bieten, darf man von den kleinen Bluetooth-Lautsprechern nicht erwarten, doch für zwischendurch, unterwegs und überall bringen die mobilen Speaker durchaus akustische Bereicherung auf ordentlichem Niveau ins Leben.

Worauf du beim Kauf achten solltest

  • Klangqualität: Je größer der Klangkörper, desto höher ist das Potenzial für guten Sound. Da mobile Bluetooth-Lautsprecher logischerweise dem Einsatzzweck entsprechend kompakt sein sollen, ist die Klangqualität insbesondere bei sehr kleinen Modellen oft dünn und flach. Einige Modelle wie das hier vorgestellte Sixtett machen es besser und setzen dennoch durchaus akkustische Spitzen. Das Modell der Wahl sollte das sogenannte aptX-Verfahren unterstützen, um störungsfreie Wiedergabe zu ermöglichen.
  • Verarbeitung: Wenn das Gerät häufig im Rucksack landet, um transportiert zu werden, sollte es entsprechend robust sein – oder es sollte eine Transportbeutel dafür erhältlich sein. Wasserfeste Speaker überleben auch eine Fahrt im leichten Regen, wasserdichte Modelle vertragen sogar einen Gang in die Dusche.
  • Ausstattung: Der primäre Einsatzzweck sollte vor dem Kauf klar sein. Wenn die Box als Effektwunder herhalten soll, dann finden sich im Angebot einiger Hersteller auch Ausführungen mit LED-Beleuchtung und Party-Licht. Der eine Speaker verfügt über ein eingebautes UKW-Radio, der andere über die Möglichkeit, mit vielen weiteren Boxen gekoppelt zu werden und so Rundumakkustik zu erzeugen. Futter zum Abspielen kommt vom Smartphone oder Tablet, bei einigen Modellen alternativ aber auch direkt von einer eingesteckten SD-Speicherkarte. Und nicht zuletzt lässt sich mit einigen akkustarken Boxen auch das eigene Handy aufladen – quasi eine Powerbank plus Musikbox in Kombination. Doch nicht jeder Musikfan benötigt diese oder jene Funktion, die sich nicht zuletzt auch auf dem Preisschild niederschlägt.
Anker SoundCore II

Anker SoundCore II

  • gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
  • wasserfest nach IPX5
  • eingebaute Freisprechfunktion
  • Klangqualität nur unterdurchschnittlich
  • markanter Geruch nach Kunststoffen in den ersten Stunden nach dem Auspacken
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Um die Wasserfestigkeit nach dem IPX5-Standard zu ermöglichen, wurden die seitlichen Anschlüsse mit einem Gummischutz verdeckt. Der gummierte Umlauf um das schwarze oder rote Gehäuse verleiht dem insgesamt ordentlich verarbeiteten SoundCore II zudem eine gute Robustheit – er nimmt des dem Besitzer nicht übel, auch mal ruppiger behandelt zu werden. Im Vergleich zum SoundCore I ist der Neuling etwas schwerer geworden, hat seine ihm typische Barrenform aber beibehalten. Auf seiner Oberseite finden sich eine blaue LED und fünf überdimensionierte Gummi-Tasten zur Bedienung.

Akkustisch begrenzt wird der SoundCore II wie so viele andere Bluetooth-Lautsprecher durch seine kompakte Bauweise: Zwei Sechs-Watt-Lautsprechermembrane passen in das Gehäuse – ausreichend für die Ausgabe von Musik auf keinem allzu hohen Klangniveau. Wie bei vielen Konkurrenten tut sich der SoundCore II  bei den Mittentönen, insbesondere aber bei den Höhen hörbar schwer. Die Tiefen sind deutlich kräftiger – sie profitieren von der neuen BassUp-Technologie. Die Klangqualität insgesamt entspricht den Erwartungen, die man an ein Gerät dieser Preisklasse hegen darf: sehr solide, ohne in besonderen Kategorien bestechen zu können.

AUSSTATTUNG: LineIn, Freisprechfunktion
AKKULAUFZEIT: ca. 18 / 24 Stunden (Test/Herstellerangabe)
GRÖSSE & GEWICHT: 16,5 x 5,4 x 4,5 cm, 414 g

BEWERTUNG:

Klang: 3/6
Design & Verarbeitung: 3/6
Ausstattung & Lieferumfang: 2/6

Sony SRS-XB20

Sony SRS-XB20

  • kräftiger Rumms durch Extra Bass
  • wasserfest nach IPX5
  • Lichteffekte als Hingucker
  • relativ schwer
  • Software noch mit Bugs behaftet
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Die Hauptattraktion der XB-Serie (XB20, XB30 und XB40) sind die schicken Lichteffekte für Partyfans. Während das Modell XB20 „nur“ über frontseitige Lichtleisten verfügt, kommt der XB30 mit zusätzlichem Stroboskop und der XB40 darüber hinaus noch mit Lautsprecherbeleuchtung daher. Wer auf den Lichtschnickschnack zeitweise verzichten möchte, kann die Effekte über die App komplett abstellen.

Im querformatigen, an den Ecken abgerundeten Gehäuse mit verschiedenen Farbvarianten (schwarz, weiß, rot, grün, blau) finden sich viele kleine Features, die den Alltag verschönern: NFC-Funktion (zum Abspielen von Musik einfach das kompatible Handy an die Box halten), Ladefunktion oder auch das eingebaute Mikrofon zum Freisprechen. Bis zu zehn Boxen können über die Wireless Party Chain gekoppelt werden, aber schon mit zwei Boxen erzielt man ein angenehmes Stereo-Erlebnis.

Die Bedienung erfolgt über sieben Knöpfe auf der Oberseite des wasserfesten Gehäuses oder über die jedoch etwas eingeschränkte App direkt vom Handy aus. Wenn erst einmal die Musik vom XB20 abgespielt wird, gibt es ordentlich auf die Ohren. Sonys Speaker bietet eine deftige Lautstärke, gemessen an dem kompakten Formfaktor. Die Extra Bass Funktion, für die Sony schon beim Walkman legendär war, verleiht der Box richtig Rumms und bringt die Kiste förmlich zum Vibrieren. Insgesamt wirkt der Bass überproportional, während dem XB20 insbesondere bei den Höhen öfters die Puste ausgeht. Der Klang wirkt dadurch etwas unausgewogen, kann durch den Equalizer aber besser in Form gebracht werden. So ist Sonys Lautsprecher für spontane Partyabende eine bunte Bereicherung.

AUSSTATTUNG: Lichteffekte, Freisprechfunktion, NFC, Ladefunktion, Micro-USB, LineIn
AKKULAUFZEIT: ca. 10 / 12 Stunden (Test/Herstellerangabe)
GRÖSSE & GEWICHT: 19,8 x 6,8 x 6,9 cm, 590 g

BEWERTUNG:

Klang: 4/6
Design & Verarbeitung: 4/6
Ausstattung & Lieferumfang: 5/6

JBL Flip 4

JBL Flip 4

  • ausgewogener, hochwertiger Klang
  • wasserdicht nach IPX7
  • gute Verarbeitung
  • seitliche Bassmembrane sind ungeschützt
  • JBL Connect+ nur eingeschränkt kompatibel
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Ein großes Plus des Flip 4 ist seine Schutzklasse: IPX7 garantiert nicht nur Spritzwasserschutz, sondern Wasserdichtigkeit und übersteht demnach auch ein kurzes Eintauchen in den Swimmingpool oder niederprasselnden Starkregen. JBL bietet den tonnenförmigen, robusten Flip 4 in sieben Farbvarianten inklusive Schwarz und Camouflage für unter 100 Euro an – ein Kampfpreis, gemessen an der sehr guten Verarbeitung, komfortablen Ausstattung (zum Beispiel mit Freisprechfunktion mit Echo- und Geräuschunterdrückung) und hohen Klangqualität. Letztere lässt sich durch JBL Connect+ erhöhen: Theoretisch können bis zu 100 kompatible Lautsprecher untereinander verbunden werden, um die nächste Party zu beschallen. Aber Achtung, Connect+ ist nicht abwärtskompatibel, weshalb eine Verbindung zwischen Flip 4 und Flip 3 beispielsweise nicht möglich ist. Die Bedienung wie bei den meisten Konkurrenten kinderleicht: Über sechs leichtgängige Tasten werden die wichtigsten Funktionen gesteuert.

Dem Flip 4 merkt man schon bei den ersten Klängen die langjährige Erfahrung von JBL an – kein Rauschen, keine Signalunterbrechung, satter Sound. Der Bass wirkt kräftig und prägnant, auch bei höheren Lautstärken. Auch die Mitten und Höhen bewältigt JBL relativ mühelos, ohne zu unterdrücken oder zu übersteuern. Insgesamt klingt der Speaker sehr ausgewogen, besonders gemessen an seiner kompakten Bauweise im Vergleich zu ähnlichen Modellen. Klare Kaufempfehlung.

AUSSTATTUNG: LineIn, Freisprechfunktion
AKKULAUFZEIT: ca. 10 / 12 Stunden (Test/Herstellerangabe)
GRÖSSE & GEWICHT: 17,5 x 7,0 x 6,8 cm, 515 g

BEWERTUNG:

Klang: 5/6
Design & Verarbeitung: 5/6
Ausstattung & Lieferumfang: 3/6

Ultimate Ears BOOM 2

Ultimate Ears BOOM 2

  • satter Sound
  • wasserdicht nach IPX7
  • einfache Bedienung
  • sehr basslastig
  • App nur mit Basisfunktionen
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Wie der Flip 4 ist auch der BOOM 2 wasserdicht nach IPX7, kann also bei Bedarf beispielsweise auch mal unter laufendem Wasser gesäubert werden, und zudem stoß- und schlagfest. Möglich macht das eine durchdachte Gummierung um das Tonnengehäuse und eine Dämpfung der Komponenten im Inneren. Der Speaker wird mit nur vier Knöpfen (laut, leise, koppeln, an/aus) bedient – supersimpel! Über die PartyUp-Funktion in der App können bis zu 50 BOOMs gekoppelt werden, die bis zu 30 Meter auseinander stehen dürfen (im Test wurden 22 Meter ohne Störung erreicht) – das reicht für die Beschallung des gesamten Strandabschnitts aus. Wer nach der getanen Party einfach nur schlafen möchte, kann sich mit der Weckerfunktion des BOOM 2 am nächsten Morgen pünktlich aufwecken lassen. Praktisch!

Die Rundform des BOOM 2 begünstigt eine 360°-Rundumbeschallung mit Musik, die entweder über Bluetooth, über NFC oder über den Klinkenstecker vom Abspielgerät übertragen wird – und der Sound ist dabei kraftvoll in den Bässen und klar in den Mitten, lediglich die Höhen vermissen erwartungsgemäß gelegentlich den letzten Feinschliff. Bemerkenswert: Selbst bei hoher Lautstärke weist die Box keinerlei Verzerrungen oder störenden Vibrationen auf.

AUSSTATTUNG: LineIn, Freisprechfunktion, Micro-USB, NFC
AKKULAUFZEIT: ca. 12 / 15 Stunden (Test/Herstellerangabe)
GRÖSSE & GEWICHT: 18,0 x 6,5 x 6,5 cm, 548 g

BEWERTUNG:

Klang: 5/6
Design & Verarbeitung: 5/6
Ausstattung & Lieferumfang: 3/6

Bose SoundLink Revolve
  • guter Surroundklang
  • hochwertiges Material
  • wasserabweisendes Design (IPX4)
  • kleinere Unsauberkeiten bei der Verarbeitung
  • relativ teuer
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Gewohnt für Bose ist der Revolve hochwertig verarbeitet und wirkt mit seiner besonderen Form und der Verkleidung aus Aluminium edel und bis ins Detail durchdacht. Der schwarze oder silberne Speaker bringt allerdings rund 660 Gramm auf die Waage – reichlich viel, um ihn wirklich überall mitzunehmen. Durch seine wasserabweisende Funktion (nach IPX4-Standard) macht er aber nicht nur am Badesee, sondern auch im Badezimmer eine gute Figur. Einen Blick ist dennoch das integrierte Gewinde wert, mit dem der Revolve auf jedem gängigen Fotostativ aufgeschraubt werden kann. Eine ulkige und gleichzeitig praktische Kombination wäre dafür beispielsweise das „Gorilla Pod“ oder der Bohnensack „The Pod“. Auch sonst lässt sich der Revolve intuitiv und kinderleicht direkt an der Box (oder mit der eigenen App) bedienen: Sechs eingelassene Knöpfe auf der Oberseite steuern alle wichtigen Funktionen. Zum Aufladen des Revolve bietet Bose neben dem mitgelieferten (!) Netzteil eine optionale Ladestation an – elegant gelöst!

Die Zylinderform des Revolve ermöglicht die Tonausgabe mit 360 Grad – das erledigt der Revolve gut, sollte dafür aber idealerweise mitten in den Raum und nicht in eine Ecke in Wandnähe gestellt werden (bei Bedarf kann für einen Stereo-Effekt ein zweiter Speaker gleichen Typs gekoppelt werden). So wird ein angenehmer Rundklang mit ausgewogenen Tiefen, Mitten und Höhen erzielt, der sogar bei hoher Lautstärke sehr detailreich bleibt.

AUSSTATTUNG: LineIn, Freisprechfunktion, Stativgewinde, Micro-USB, Netzteil
AKKULAUFZEIT: ca. 10 / 12 Stunden (Test/Herstellerangabe)
GRÖSSE & GEWICHT: 15,2 x 8,2 x 8,2 cm, 662 g

BEWERTUNG:

Klang: 6/6
Design & Verarbeitung: 5/6
Ausstattung & Lieferumfang: 3/6

Teufel Rockster XS

Teufel Rockster XS

  • hoher Lautstärkepegel
  • intuitive Bedienung
  • sehr gute Akkulaufzeit
  • vergleichsweise teuer
  • keine Freisprecherfunktion
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Bei der neuen Edition hat Teufel nicht nur die Klangqualität angefasst, sondern auch die Bedienung und die Ausstattung überarbeitet. Das matt schwarz lackierte Aluminiumgehäuse ist unverändert in seinen Abmessungen, ebenso ist die Silikon-Gummierung als wirkungsvoller Stoßschutz sowie die Wasserdichtigkeit nach IPX5-Standard geblieben. Neu ist eine Akkustands-Anzeigte per LED, die viele andere Lautsprecher vermissen. Auf der Oberseite finden sich jetzt sieben große Bedienungsknöpfe: An/Aus, Abspielen/Pausieren, letzter Titel, nächster Titel, leiser, lauter und Bluetooth-Verbindung. Das funktioniert gut und zuverlässig, ohne das Handy für die Steuerung in die Hand nehmen zu müssen. Ersatzlos gestrichen wurde hingegen den Outdoor-Modus, bei dem die Mittentöne angehoben wurde, um Sprachausgabe auch an der freien Luft mit vielen Umgebungsgeräuschen verständlicher zu machen – schade!

Technisch hat Teufel im Rockster XS ein hochwertiges 2-Wege-System verbaut, das ordentlich Karacho hat. Bei der Lautstärke hat Teufel richtig draufgepackt, aber darauf geachtet, dass der Bass automatisch reduziert wird, um Scheppern zu vermeiden. Insgesamt klingt die kleine Riese relativ ausgewogen in den Mitten, unerwartet klar in den Höhen und bombig in den Tiefen. Keine Frage, der kompakte Speaker aus der Hauptstadt macht richtig Laune!

AUSSTATTUNG: LineIn, USB-Soundkarte, NFC, Ladefunktion
AKKULAUFZEIT: ca. 24 / 30 Stunden (Test/Herstellerangabe)
GRÖSSE & GEWICHT: 17,8 x 8,6 x 6,9 cm, 720 g

BEWERTUNG:

Klang: 5/6
Design & Verarbeitung: 5/6
Ausstattung & Lieferumfang: 2/6

Nico Barbat
von Nico Barbat

Nico Barbat, Jahrgang 1975, wollte „was mit Medien“ machen und wurde professioneller Wortschubser. Gründete und leitete Technik- und Sport-Magazine. Seit 2018 als Chefredakteur bei comprigo auf der Suche nach dem besten Produkt aller Zeiten. Hat ein Faible für Computer der 80er, Autos der 70er und Design der 60er und ist felsenfest überzeugt, dass „Monkey Island“ das bessere „Fluch der Karibik“ ist. Mag lange Wandertouren und träumt vom Haus am Fjord.