Elektrische Zahnbürste: Darauf beim Kauf achten

Saubere Zähne auf Knopfdruck – Experten versichern, dass elektrische Zahnbürsten bis zu 100 Prozent mehr Plaque entfernen als Handzahnbürsten. Doch welche putzt am besten? Silke Mietzner hat es getestet!

Silke Mietzner von Silke Mietzner   |   01 Oktober 2018

Handarbeit in allen Ehren, aber bei der Zahnpflege hört der Spaß auf. Schließlich empfehlen 80% der Zahnärzte, die Zähne mit einer elektrischen Zahnbürste zu putzen. “Laut Studien ist die Reinigungsleistung bei der E-Zahnbürste ungleich besser“, versichert Prof. Dr. Ralf Rössler. “Sie entfernt kurzfristig und langfristig mehr Zahnbelag und reduziert Zahnfleischentzündung effektiver als eine Handzahnbürste”, so der Zahnarzt und Spezialist für Prophylaxe und Parodontologie.

Seit die erste elektrische Zahnbürste im Jahr 1987 auf den Markt kam, hat sich einiges getan. Viele Modelle sind inzwischen kleine High-Tech-Wunder, die über eine Vielzahl an Programmen und Extras wie “Andruckkontrolle”, “Timer”, “Zungenreinigung” etc. verfügen. Einige Bürsten lassen sich sogar per App mit dem Smartphone verbinden. 

Aber wie sinnvoll sind diese ganzen Extras? Ich will es wissen, und so liegen neun niegelnagelneue elektrische Zahnbürsten vor mir im Bad und wollen getestet werden. Um den Modellen quasi genau auf den Zahn zu fühlen, werde ich unter anderem auf folgende Aspekte achten:

  • Wie fühlt sich das Zähneputzen damit an? 
  • Welche Technik steckt dahinter?
  • Gibt es Zusatzfunktionen? 
  • Fasst sich das Gerät gut an? 
  • Wie ansprechend ist das Design? 
  • Stimmen Preis und Leistung?

Was die Technik angeht, so gibt es zwei Arten von elektrischen Zahnbürsten:

Alle getesteten Bürsten auf einen Blick

1. Geräte mit rotierend-oszillierenden Bürsten, wie z.B. die Oral-B SmartSeries 6400 oder die Oral-B Genius 10000N Roségold haben runde Köpfe, die sich drehen und mit zusätzlichen Pulsationen arbeiten. Hier putzt man jeden Zahn einzeln: Aufsetzen, einen Moment warten, dann den nächsten. Das ist also etwas für bequeme Menschen wie mich, die morgens noch nicht soviel arbeiten wollen. Ein weiterer Vorteil: Ihr kommt mit dem runden Bürstenkopf besser an jeden Zahn heran.

2. Schallzahnbürsten wie die Panasonic EW-DM81 oder die Philips Sonicare DiamondClean haben dagegen längliche Bürstenköpfe, welche die Zähne durch Vibrationen reinigen. Der Name ist also irreführend: Schallbürsten reinigen nicht mit Schall, sondern ebenfalls mechanisch. Ihr könnt damit mehrere Zähne auf einmal erreichen und lasst die Zahnbürste über die Zähne gleiten – pro Zahn ca. 3 bis 4 Sekunden. Eine Weiterentwicklung sind Ultraschallbürsten, die noch schneller vibrieren und schonender zum Zahnfleisch sein sollen. Zahnmediziner sehen diese Werbeversprechen allerdings kritisch. Auch, weil es bisher keine guten klinischen Studien gibt, die bestätigen, dass das funktioniert. Man muss zudem eine Spezial-Zahnpasta verwenden.

Egal, für welche Variante ihr euch entscheidet: „Zweimal täglich jeweils zwei Minuten sollten die Zähne geputzt werden, um ein optimales Ergebnis zu erzielen“, empfiehlt der Zahnexperte Prof. Rössler.

Um diese Zeit einzuhalten hilft es, wenn die Bürste über einen Timer verfügt, so wie sieben der von mir getesteten Modelle, z.B. die Oral-B Genius 10000N Roségold, aber auch die Foreo Issa 2. Der Timer ist dabei im Handstück eingebaut. Mit dem Minuten-Timer behaltet ihr die empfohlene Putzzeit von 2 Minuten im Griff. Mit dem Quadranten-Timer wisst ihr, ob ihr die einzelnen Zonen "oben-außen", "oben-innen", "unten-außen" und "unten-innen" lange genug geputzt habt. Denn immer nach 30 Sekunden brummt die Bürste - und ihr könnt zum nächste Quadranten wechseln.

Wie wichtig diese Funktion ist, beobachtet auch der Experte Ralf Rössler. “Im Praxisalltag erleben wir häufig, dass die Menschen davon ausgehen, ihre Zähne korrekt zu putzen. Doch in vielen Fällen entspricht das nicht dem, was wir sehen”. Die meisten investierten durchschnittlich weniger als eine Minute Putzzeit, übten deutlich zu viel Druck aus und ließen wichtige Bereiche aus bzw. putzten diese nicht lang genug, so der Zahnarzt.

Prof. Rössler sagt zudem, dass Extras wie etwa die Andruckkontrolle keine Spielerei seien. Die Oral-B Genius 10000N zum Beispiel hat diese Funktion. Die Bürste leuchtet rot auf, wenn ich zu stark drücke. Dann wechselt sie automatisch in den Sensitiv-Modus. Ein weiterer Clou dieses Modells: Ihr könnt sie per App mit eurem Smartphone verbinden. In eine kleine Halterung am Spiegel gesteckt, zeigt die App daraufhin, wo mit zu viel Druck geschrubbt wird. Das ist wichtig, schließlich müsse das Zahnfleisch sanft behandelt werden, so Prof. Rössler. “Viele Menschen wissen nicht, dass ein verletztes Zahnfleisch Auslöser für viele Probleme ist, z.B. für empfindliche Zähne, Mundgeruch und Zahnverlust.“ Mit der App könnt ihr außerdem sehen, ob sich eure Putzroutine verbessert hat.
Jedes Mal vor dem Putzen das Handy zu aktivieren, wird mir sicher zu lästig sein. Aber ich nehme mir vor, ab und zu mal beim Putzen auf die App zu schauen. Die Funktion motiviert auf jeden Fall dazu, mit Bedacht zu putzen, statt die Bürsten im Mund gedankenlos hin und her zu bewegen.

Aufsteckbürsten und Programme für jeden Typ

Silke Mietzner mit allen getesteten elektrischen Zahnbürsten in der Hand

Was außerdem auffällt: Viele elektrische Zahnbürsten in meinem Test werden mit bis zu fünf verschiedenen Aufsteckbürsten geliefert, so wie z.B. die Oral-B SmartSeries 6400. Es gibt einen Polierkelch zur Zahnaufhellung, Aufsätze mit einer Mischung aus unterschiedlichen Borstenlängen für gründliche Reinigung der Zahnzwischenräume oder Aufsteckbürsten mit harten oder weichen Borsten. Wer empfindliches Zahnfleisch hat, benutzt also am besten Sensitiv-Bürsten. Die sind schön weich, aber auch schneller verschlissen. Ich dagegen stehe auf kräftig reinigende Aufsätze. Das gibt mir jeden Tag das blitzsaubere Gefühl einer professionellen Zahnreinigung.
Analog zu den Aufsteckbürsten gibt es bei den meisten Modellen auch verschiedene Reinigungsprogramme, von „intensiv“ über „zahnaufhellend“ bis „sensitiv“. Die Oral-B Genius 10000N Roségold, die sich allmählich zu meinem Favoriten entwickelt, verfügt sogar über ein Zungenprogramm, dass die Bakterien im Mund reduzieren soll und außerdem für ein herrlich frisches Gefühl sorgt.

And the Winner is...

Oral B Genius 10000N roségold elektrische Zahnbürste

Bei der hübschen rosafarbenen Issa 2 von Foreo kämpfe ich dagegen erstmal mit ein paar Anwendungsproblemen. Auf den länglichen Kopf der Schallzahnbürste passt jede Menge Zahnpasta. Allerdings fliegt das meiste beim Aktivieren der Bürste davon und hängt jetzt in der Duschkabine. Merke: Weniger ist mehr, und auch bei Schallzahnbürsten erst starten, wenn sie im Mund sind. 

Beim ersten Benutzen fühlt sich die Schallvariante außerdem sehr ungewohnt an. Ich stelle fest: Schallbürsten vibrieren ganz anders als die rotierend-oszillierenden Modelle von Oral B, bei denen sich der Kopf dreht. Muss ich nun noch bürsten? Die Anleitung verrät: Schrubben ist nicht nötig, die Bürste macht die meiste Arbeit selbst, leichtes sanftes Kreisen genügt. Nach dem gleichen Prinzip funktioniert die Sonicare DiamondClean von Philips, die einen vergleichsweise winzigen Bürstenkopf hat. Auch mein Lebenspartner Peter bietet sich zum Test an, mit neuem Kopf natürlich. Und er wird zum Überläufer, findet die Schalltechnik um Klassen besser. „Nicht so laut und viel sanfter zu meinem empfindlichen Zahnfleisch“, so sein Urteil. Außerdem sieht die Sonicare DiamondClean mit dem Ladeglas, in das man die Bürste stellt, und der satinierten Oberfläche einfach sensationell aus. Gleich dahinter kommt die EW-DM81 von Panasonic – leichter und moderner geht nicht. 

Gar nicht überzeugt haben mich dagegen die preiswerten Modelle mit Batteriebetrieb. Meist vibrieren sie nur leicht und für ein gutes Ergebnis muss man trotzdem schrubben.

Während Peter die Sonicare DiamondClean von Philips als seinen Favoriten kürt, wird mein Liebling die Oral-B Genius 10000N Roségold. Sie liefert einfach das beste Putzergebnis. Und ich will meine Zähne ja noch bis ins hohe Alter behalten. Außerdem habe ich gelesen, dass wir intuitiv Menschen mit weißen Zähnen als positiver einschätzen. Das belegt eine Studie des Londoner King’s College. Sie ergab: Je weißer die Zähne, desto beliebter, intelligenter und glaubwürdiger wirkt ein Mensch auf seine Mitmenschen. Na, das ist doch ein Argument!

Silke Mietzner
von Silke Mietzner

Sie lebt für Fashion, Beauty, Wellness, Lifestyle  – schon seit Jahren, und seit sie freiberuflich arbeitet, macht es ihr doppelt viel Spaß. Denn im Homeoffice hat sie vier Assistenten: Zwei sind schwarz, eine blond, einer rot. Keine Frage, mit dem Nachnamen Mietzner muss man einfach Katzenmama sein. Wenn ein kleines krankes Wildschwein am Gartenzaun steht, kümmert sie sich aber auch um diesen Patienten.