Haben Sie schon mal eine Diät gemacht, Prof. Froböse?

80 % der Menschen hierzulande haben in den letzten zwei Jahren eine Diät ausprobiert. Der Wunsch abzunehmen ist also groß. Aber wie schafft man das? Prof. Dr. Ingo Froböse von der Sporthochschule Köln verrät seine Geheimtipps.

Alexandra Schlump von Alexandra Schlump   |   07 September 2018
Haben Sie schon mal eine Diät gemacht, Prof. Froböse?

Herr Professor Froböse, viele Experten raten von Diäten ab? Was sagen Sie?

Prof. Dr. Ingo Froböse: Die ursprüngliche Bedeutung des Wortes Diät ist leider ein bisschen verloren gegangen. Es geht um eine achtsame Neuorientierung des Lebensstils, um einen Neustart für Körper und Geist. In diesem Sinne finde ich Diäten sehr gut.

Haben Sie selbst auch schon mal eine Diät gemacht?

Prof. Dr. Ingo FroböseNicht wirklich, aber einmal pro Woche schiebe ich eine Form des Intervallfastens ein. Das heißt, ich gebe meinem Körper und meinen Organen eine Ruhe-Pause von zwölf Stunden. Praktisch sieht das so aus, dass ich morgens frühstücke und dann erst abends wieder ein leichtes Essen, z.B. mit Fisch einnehme. Diese Pause tut meinem Körper gut und ist ganz einfach im Alltag umzusetzen.

Gibt es noch eine andere Diät, die Sie empfehlen würden?

Prof. Dr. Ingo FroböseGanz klar - die Dash-Diät. Sie hat im Unterschied zu vielen anderen Abnehm-Programmen einen großen gesundheitlichen Nutzen, der durch viele Studien belegt ist.

Es heißt immer, man müsste langfristig die Ernährung umstellen - aber was ist, wenn man schnelle Erfolge sehen möchte?

Prof. Dr. Ingo FroböseNatürlich ist es möglich, auf die Schnelle zwei bis drei Kilo abzunehmen, um zum Beispiel auf einer Hochzeit oder einem Klassentreffen gut auszusehen. Wenn man das auf zwei Wochen begrenzt, hat man auch keine großen Nachwehen wie den Jojo-Effekt zu fürchten. 

Muss man sich ab einem Alter von 40 Jahren mit einem Kilo mehr Körpergewicht pro Jahr abfinden, weil sich Muskelmasse abbaut?

Prof. Dr. Ingo Froböse: Natürlich ist es so, dass sich der Stoffwechsel mit dem Älterwerden verändert. Umso wichtiger wird Sport. Ich laufe regelmäßig, mache Krafttraining und wiege heute mit 61 noch genauso viel wie mit 18 Jahren. Es geht also durchaus, schlank zu bleiben.

Bei den meisten Diäten spielt Sport keine Rolle...

Prof. Dr. Ingo Froböse: Das ist ein großes Manko, denn man braucht beides. Dabei muss man unterscheiden: Um Gewicht abzunehmen, muss man die Ernährung umstellen, Kalorien einsparen, genauer gesagt 7000 Kalorien, um ein Kilo zu verlieren. Um das Gewicht zu halten, ist Sport unerlässlich.

Was genau bringt der Sport?

Prof. Dr. Ingo Froböse: Sport sorgt dafür, dass der Körper auch in Ruhephasen mehr Energie verbrennt, und nicht nur in den zwei bis drei Stunden, in denen ich mich pro Woche bewege. Sowohl Kraftsport als auch Ausdauersport erfüllt diesen Zweck, weil das eine Muskelmasse erhöht und das andere die Zellaktivität in den Muskeln verstärkt. Damit kann man also den Turbo beim Stoffwechsel einschalten.

Den Turbo?

Prof. Dr. Ingo Froböse: Ja, dabei geht es um einen Mix aus Bewegung und dem richtigen Essen, beides zusammen ist das Geheimnis einer schlanken Figur. Mein Top 5 beim Essen sind folgende:
1. Mindestens so viel essen, dass der Grundumsatz gedeckt ist (bei jungen Frauen ca. 1340, bei jungen Männern 1740).
2. Im Biorhythmus essen.
3. Dem Körper mindestens vier Stunden Zeit geben zwischen den Mahlzeiten.
4. Eiweiß täglich als Stoffwechselquelle nutzen: es fördert den Stoffwechsel und unterstützt alle wichtigen Auf- und Abbauprozesse.
5. Auf zuckerhaltige Getränke verzichten, stattdessen auf Wasser und ungesüßte Tees setzen.

Gibt es verschiedene Diättypen, bzw. springen manche Menschen auf eine bestimmte Diät besser an als andere? Woran liegt das; muss man einen Gen- oder Bluttest machen, um herauszufinden, was zu einem passt?

Prof. Dr. Ingo Froböse: Sicher ist, dass Diäten von Mensch zu Mensch unterschiedlich anschlagen, das liegt unter anderem an der unterschiedlichen Zusammensetzung der Darmbakterien. Einen Gen- oder Bluttest, der das herausfinden kann, gibt es allerdings nicht, auch wenn manche Anbieter das suggerieren. Tatsächlich bleibt einem nichts anderes übrig, als auszuprobieren, was zu einem passt und erfolgreich ist.

Ein bisschen Übergewicht soll ja gesund sein - aber was ist das richtige Maß?

Prof. Dr. Ingo Froböse: Ein gesundes Richtmaß ist die Körpergröße minus 100, somit darf eine Frau von 1,80 cm ca. 80 Kilo wiegen. Damit ist sie weder dünn noch dick. Fest steht: Lieber fit und moppelig als dünn und unfit. 

Alexandra Schlump
von Alexandra Schlump

Neuanfänge sind ihr Ding. Eine Nachrichten-Agentur mit aufbauen, eine neue Zeitschrift auf den Markt bringen, sich ein zweites Standbein als Hundetrainerin aufbauen. Hauptsache, das Leben bleibt spannend und herausfordernd. So wie jetzt bei comprigo, wo Fitness, Outdoor, Fashion, Beauty oder Lifestyle zu ihren Lieblingsthemen zählen. Und sonst? Läuft sie… Bis zu 5000 Kilometer im Jahr. Immer dabei ist ihr russischer Straßenhund Mischa, der manchmal sogar im comprigo-Büro als Relax-Experte aushilft.