Kaffeegenuss für zu Hause - 4 Zubereitungsmethoden im Vergleich

Filterkaffee im klassischen Keramikfilter ist das eine. Aber es gibt noch eine ganze Reihe anderer Zubereitungsmethoden, die sich lohnen. Probiert es aus.

Ricarda Teßmer von Ricarda Teßmer   |   28 November 2018
Kaffeegenuss für zu Hause - 4 Zubereitungsmethoden im Vergleich

Egal ob ihr es morgens besonders eilig habt oder ihr euren Kaffee lieber ganz in Ruhe genießt: Unser Vergleich zeigt euch, welche Zubereitungsmethode am besten zu euch passt und mit welchen Kaffeezubereitern ihr beim nächsten Kaffeetrinken alle beeindruckt. Wir stellen vier verschiedene Zubereitungsarten vor, erklären die Funktionsweisen der einzelnen Methoden und listen für euch Vor- und Nachteile auf.

Bei allen Methoden empfehlen wir den Gebrauch einer Handkaffeemühle, um den passenden Mahlgrad für eure Lieblingsmethode einstellen zu können. Frisch gemahlener Kaffee ist nicht nur lecker, bei vielen Zubereitungsarten steht und fällt der Geschmack bereits mit dem Mahlgrad der Bohne. Einige Geräte funktionieren sogar nur dann einwandfrei, wenn der Kaffee richtig gemahlen ist. Außerdem solltet ihr für die richtige Menge Kaffeebohnen nicht allein auf euer Augenmaß vertrauen, sondern zum Abwiegen eine Feinwaage benutzen. Alternativ tut es auch eine digitale Küchenwaage mit Grammanzeige.

Espressokanne auf dem Herd

Espressokanne/Mokakanne

1. Espressokanne/Mokakanne

Den achteckigen Kaffeezubereiter aus Italien bieten mittlerweile viele verschiedene Hersteller an, das Original stammt aber aus dem Hause Bialetti und wurde 1945 von Alfonso Bialetti entwickelt. Heute ist die Kanne neben dem achteckigen Modell auch in anderen Designvarianten erhältlich und es gibt sogar Kannen, die für Induktionsherde geeignet sind.

Der Name Espressokanne, wie wir die Zubereitungskanne in Deutschland allgemein nennen, ist übrigens irreführend. Der maximal zu erreichende Druck der Kanne liegt  bei nur circa 1,5 bar. Für einen Espresso werden aber ganze 9,0 bar benötigt. Demnach wird mit unserer “Espressokanne” überhaupt kein Espresso hergestellt. Der geringe Druck der Kanne sorgt außerdem dafür, dass sich keine konstante Crema bilden kann. Mit einem speziellen Aufsatz, der den Druck reguliert, lässt sich aber tatsächlich ein bisschen Crema herausholen. 

Das Prinzip ist denkbar simpel. Zunächst die Kanne in ihre drei Einzelteile zerlegen: Kessel, Trichtereinsatz und Auffangbehältnis. Den unteren Teil, den sogenannten Kessel, mit heißem Wasser befüllen, den Trichtereinsatz wieder draufsetzen und diesen komplett mit gemahlenem Kaffee befüllen. Achtung: Den Kaffee nicht andrücken oder in den Siebeinsatz pressen. Zu guter letzt schraubt ihr den oberen Teil mit dem Steigrohr auf und stellt die Kanne auf die heiße Herdplatte. Warum bereits heißes Wasser einfüllen, wenn die Kanne doch später sowieso auf die heiße Herdplatte kommt? Ganz einfach: Stellt ihr die Kanne direkt auf die heiße Platte, erhitzt das Metall sehr stark und euer Kaffee bekommt einen metallischen Beigeschmack.

Das Wasser im Kessel beginnt zu verdampfen und der dadurch entstehende Druck presst das heiße Wasser durch den Kaffee, ein Sieb und das Steigrohr, in das Auffangbehältnis. Sollte die Kanne einmal verstopft sein, entweicht der Druck durch das Sicherheitsventil im unteren Teil. Die Wassermenge könnt ihr zwar nach Wunsch variieren, sie sollte aber nicht höher sein als das Ventil.

Tipp: Wenn der Kaffee aus dem Steigrohr in den oberen Teil läuft, die Kanne nach kurzer Zeit vom Herd nehmen. Bleibt die Kanne zu lange auf der heißen Platte, beginnt eure Kaffee im oberen Teil zu kochen und bekommt eine verbrannte Note. Das Gleiche passiert, wenn die Herdplatte zu heiß ist. Am besten bei mittlerer bis starker, jedoch nicht auf maximaler Hitze zubereiten.


Vorteile:

Geht schnell - Mit geringem Aufwand lässt sich im Handumdrehen der morgendliche Kaffee zubereiten. Vom Befüllen der Kanne bis zum Genuss in der Tasse braucht es nur wenige Minuten. 

Kostengünstig - Ihr benötigt neben der Bialetti weder einen Filter, noch andere Gerätschaften. Bis auf euren persönlichen Lieblingskaffee fallen nach dem Kauf der Kanne keine weiteren Kosten an.


Nachteil:

Nicht Spülmaschinenfest - Wenn ihr lange Freude an eurer Espressokanne haben möchtet, solltet ihr sie mit der Hand spülen und darauf achten, dass sie wirklich komplett trocken ist, bevor ihr sie wieder zusammenschraubt. Ansonsten könnte die Kanne von innen Schimmel ansetzen. Da es keinen Filter gibt den man entnehmen und einfach wegwerfen kann, müsst ihr den Trichtereinsatz manuell entleeren und durchspülen. Viel Mehraufwand ist das aber nicht.


Empfohlener Mahlgrad: fein bis mittel (etwas gröber als Espresso, jedoch feiner als normaler Filterkaffee)

Bialetti Moka Express

Bialetti Moka Express

Chemex

Chemex

2. Chemex

Die Chemex ist auf jeden Fall eine der stilvollsten Arten einen Filterkaffee zu genießen. Die Karaffe hat es sogar 1958 als eines der am besten designten Produkte der Moderne in die Sammlung des New Yorker Museum of Modern Art geschafft. Die Form der Glaskaraffe erinnert ein bisschen an die Glaskolben aus dem Chemieunterricht und tatsächlich ähnelt auch die Kaffeezubereitung mit der Chemex einem kleinen Experiment. Der Name lässt bereits auf die Herkunft der Zubereitungsmethode schließen, denn 1941 war es tatsächlich ein amerikanische Chemiker, Peter Schlumbohm, der die Filterkaffeemaschine aus Glas erfand.

Der Brühvorgang verläuft nach dem Prinzip des Filterkaffees. Allerdings solltet ihr darauf achten, dass eine Durchlaufzeit von drei Minuten nicht überschritten wird. Wenn ihr gerne mit Geschmack experimentiert, ist die Chemex genau das richtige für euch. Denn um das für euch leckerste Ergebnis zu produzieren, wird es vermutlich einige Durchläufe brauchen. Wie grob oder fein euer Kaffeepulver für die optimale Durchlaufgeschwindigkeit gemahlen sein muss und wie viel Gramm Kaffee ihr auf wie viel Milliliter Wasser am besten anwendet, testet ihr am besten individuell aus. Als Ausgangswert für eure Experimente empfehlen wir circa 38 g Kaffee auf 600 ml Wasser.

Tipp: Wenn es mal kein Kaffee sein soll, lässt sich die Chemex auch prima zur Wasser-Karaffe umfunktionieren und ist auch so ein echter Hingucker.


Vorteile:

Tolles Design - Die Chemex überzeugt vor allem durch ihre Form und die Holzelemente. Auf dem Kaffeetisch wird sie auf jeden Fall alle Blicke auf sich ziehen.

Leichte Reinigung - Oft reicht es, die Karaffe einfach mit Wasser auszuspülen. Ein Waschgang in der Spülmaschine schadet ab und an aber keinesfalls und ist problemlos möglich. Denn der Hitzeschutz aus Holz kann ganz einfach abgenommen und nach dem Waschen wieder aufgesetzt und festgeknotet werden.


Nachteile:

Teure Spezialfilter - Für eure Chemex benötigt ihr spezielle Filter, die ihr dann selbst faltet. Im Vergleich zu den gängigen Kaffeefiltern im Supermarkt sind diese deutlich teurer. Das Falten und das Design machen aber auch mehr Spaß als die normalen Papierfilter.

Kühlt schnell ab - Die Chemex ist relativ groß und aus Glas. Da sie auch noch oben geöffnet ist, kühlt der Kaffee ohne einen Deckel relativ schnell aus. Passende Deckel gibt es aber zu kaufen.


Empfohlener Mahlgrad: mittel (etwas gröber als beim normalen Filterkaffee aber feiner als in der French Press)

Chemex

Chemex

Frenchpress

Frenchpress

3. French Press

Im 19. Jahrhundert wurde Kaffeepulver zusammen mit Wasser aufgekocht und man wartete ab, bis sich das Pulver allmählich unten absetzte. Ein Kaffeeliebhaber aus Frankreich soll damals vergessen haben, das Kaffeepulver ins Wasser zu geben. Kurzerhand entschied er, das kochende Wasser einfach über den gemahlenen Kaffee zu gießen und im Anschluss zu filtern - voilà, die French Press war geboren.

In den 1970er Jahren entwickelte das dänische Unternehmen Bodum die beliebte Press-Stempelkanne weiter und optimierte vor allem das Design. Die Kanne gewann nicht nur einen Designpreis, sie wurde außerdem von internationalen Medien zum umweltfreundlichsten Kaffeezubereiter gewählt.

Die French Press zählt zu den Full Immersion Kaffeebereitern. Bei dieser Methode ist das Kaffeepulver durchgehend mit dem Wasser in Kontakt und wird erst später herausgefiltert. Auf diese Weise erhält der Kaffee ein volles und kräftiges Aroma, denn durch die lange Kontaktzeit werden zahlreiche Öle und Fette gelöst. Dank des Siebstempels, der Pulver und Flüssigkeit voneinander trennt, kommt die Press-Stempelkanne ganz ohne Papierfilter aus.

Die Zubereitung könnte kaum einfacher sein. Das kochende Wasser eine halbe Minute abkühlen lassen und anschließend zügig auf den gemahlenen Kaffee in der Kanne gießen. Pro Liter empfehlen wir circa 65 gr Kaffee. Das Ganze kurz umrühren und mit dem Deckel verschließen. Den im Deckel integrierten Siebfilter so weit herunterdrücken, dass der aufsteigende Kaffee nicht an die Wasseroberfläche geraten kann. So stellt ihr sicher, dass auch wirklich der komplette Kaffee im Wasser zieht. Die ideale Zubereitungszeit liegt bei vier Minuten. Daher nach dreieinhalb Minuten ein letzten Mal umrühren und den Schaum abschöpfen. Den Siebstempel nun gleichmäßig und nicht zu schnell herunterdrücken und fertig ist der Kaffee.

Tipp: Den Kaffee am besten sofort ausschenken, da er sonst bitter schmeckt. Falls doch mal etwas übrig bleiben sollte, den Kaffee auf jeden Fall umfüllen.


Vorteile:

leichte Reinigung - Mit warmem Wasser können Kanne und Siebstempel schnell und einfach gereinigt werden. Einige Modelle sind sogar spülmaschinenfest.

Umweltfreundlich - Die Kanne kommt ohne Papierfilter aus.

Kostengünstig - Bereits für wenig Geld sind robuste und langlebige Press-Stempelkannen erhältlich, mit denen ihr bei guter Pflege lange Freude habt.


Nachteil:

Menge - Obwohl auch kleine Modelle erhältlich sind, ist es nur schwer möglich eine einzige Tasse zuzubereiten.


Empfohlener Mahlgrad: mittel bis grob (etwas gröber als im normalen Filterkaffee)

Bodum CAFFETTIERA

Bodum CAFFETTIERA

Vier Hände halten Einzelteile einer AeroPress in die Höhe

AeroPress

4. AeroPress

Die AeroPress besteht aus drei Teilen: Dem Brühzylinder, in den das Kaffeepulver und das Wasser eingefüllt werden, dem Filteraufsatz, der auf diesen Zylinder geschraubt wird und in dem ein Papierfilter liegt, und dem Presskolben, mit dem die Kaffee-Wasser-Mischung durch den Filter gepresst wird. Der Kolben berührt den Kaffee jedoch nicht direkt, sondern schiebt immer eine Luftbarriere vor sich her, der die AeroPress ihren Namen verdankt.

Die Kaffeezubereitung mit der AeroPress ähnelt dem Prinzip der French Press. Auch bei dieser Methode wird der gemahlene Kaffee aufgegossen und befindet sich die gesamte Zubereitungszeit in Kontakt mit dem heißen Wasser. Das Wasser sollte bei der Zubereitung mit der AeroPress etwas kälter sein als bei den anderen Zubereitungsmethoden. Das kochende Wasser also ruhig noch eine halbe Minute länger als gewöhnlich, auf circa 80 °C, abkühlen lassen. Während ihr auf die richtige Temperatur wartet, könnt ihr den Papierfilter schon in den Filteraufsatz einlegen und kurz mit heißem Wasser durchspülen. Dadurch verhindert ihr, dass der Papierfilter seinen Eigengeschmack an den Kaffee weitergibt.

Nun setzt ihr die AeroPress zusammen, indem ihr auf den Presskolben (der Teil mit der Gummidichtung zeigt nach oben) den Brühzylinder aufsetzt. Schiebt die beiden Teile ineinander, bis die Gummidichtung des Kolbens auf Höhe der Markierung “4” angekommen ist. Stellt die Aeropress auf die Feinwaage und füllt für eine Tasse Kaffee (200 ml) circa 16 g Kaffee in den Brühzylinder ein. Gießt jetzt 150 ml Wasser auf den gemahlenen Kaffee, rührt um und füllt die restlichen 50 ml ein. Nach einer halben Minute schraubt ihr den Filteraufsatz mit dem Papierfilter auf, dreht die AeroPress herum und stellt sie direkt auf eure Tasse. Keine Angst, durch den Unterdruck wird bei diesem Vorgang kaum Kaffee herauslaufen. Jetzt drückt ihr den Kolben ganz langsam herunter und presst den Kaffee direkt in eure Tasse.

Tipp: Wassertemperatur, Kaffee- und Wassermenge wirken sich auf den Geschmack des Kaffees aus. Auch bei dieser Zubereitungsart empfiehlt es sich eine Weile zu experimentieren und ein kleines “Kaffeetagebuch” zu führen, in dem man die Wasser- und Kaffeemenge, die Wassertemperatur, die Ziehzeit und die exakte Zeit des Herunterdrückens für den jeweiligen Brühvorgang notiert. So könnt ihr herausfinden, wie euch euer Kaffee in der AeroPress am besten schmeckt.

Wenn ihr auf Papierfilter verzichten möchtet, gibt es die Möglichkeit anstatt des Filters eine feine Netzscheibe aus Edelstahl einzusetzen. Diese ist natürlich wiederverwendbar.


Vorteile:

Reisefreundlich -  Die AeroPress ist mit ihren 180 g extrem leicht und kann daher gut auf Reisen oder zum Camping mitgenommen werden.

Entsorgung des Kaffeesatzes - Der Kaffeepuck kann samt Filter direkt aus der Aeropress in den Mülleimer entsorgt werden.

Leichte Reinigung - Gummidichtungen reinigen, AeroPress ausspülen und abtrocknen lassen.


Nachteile:

Design - Gewinnt mit ihrer Aufmachung nicht gerade einen Blumentopf.

Menge - Es kann immer nur eine Tasse Kaffee produziert werden.


Empfohlener Mahlgrad: fein bis mittel (Körnung ungefähr so wie handelsübliches Tafelsalz)

Aerobie 80R08

Aerobie 80R08
Ricarda Teßmer
von Ricarda Teßmer

Studium der Skandinavistik, Literaturwissenschaften und Kunstgeschichte in Frankfurt am Main, Stockholm und Bonn. Interessiert sich für Popkultur und weiß immer, was im Norden gerade angesagt ist. Liebt Fritten, muss jeden Hund streicheln und gewinnt immer beim Stadt-Land-Fluss.