Der Weg zum perfekten Filterkaffee

Einen Kaffee aufsetzen ist doch nicht so schwer, oder? Kaffee in den Filter, heißes Wasser darüber und warten. Unsere Autorin Ricarda Teßmer hat für euch vier Tipps zusammengestellt, mit denen euer Filterkaffee zum Hochgenuss wird.

Ricarda Teßmer von Ricarda Teßmer   |   02 Oktober 2018
Der Weg zum perfekten Filterkaffee

Lange Zeit war ich dem klassischen Filterkaffee gar nicht zugetan, schon gar nicht ohne Milch. Meine Taktik bestand immer darin, den - für meinen Geschmack - häufig zu bitteren Kaffee in ausreichend Milch zu ertränken, sodass es am Ende keine Rolle mehr spielte, was genau ich da gerade aufgebrüht hatte. Tatsächlich steckt aber doch ein bisschen mehr hinter dem Aufbrühen von Filterkaffee als nur Wasser drauf und abwarten. Bei richtiger Zubereitung schmeckt aufgebrühter Kaffee nämlich gar nicht bitter oder säuerlich und ist auch ohne Milch ein ausgewogener Genuss.

Wenn auch ihr das volle Potential eures Filterkaffees ausschöpfen möchtet und dabei ein kleines bisschen Barista spielen wollt, habe ich hier eine kleine Anleitung zusammengestellt, in der ich euch erkläre, wie ihr euren Kaffee zu Hause richtig brüht, um das bestmögliche Ergebnis genießen zu können.

Wenn ihr diese vier Schritte befolgt, steht eurem Kaffeegenuss nichts mehr im Wege.

1. Der Mahlgrad

Eine ältere Handkaffeemühle gefüllt mit Kaffeebohnen

Handkaffeemühle

Den richtigen Dreh heraushaben:

Frisch gemahlene Kaffeebohnen haben einen intensiveren Geschmack als Kaffeepulver und kleinste Veränderungen des Mahlgrades können zu deutlichen Unterschieden im Geschmack führen. Jede Zubereitungsart hat einen speziellen Mahlgrad, der für sie jeweils am besten geeignet ist. Ob ihr mit der Frenchpress, der Espressokanne oder dem Filter arbeitet macht also einen großen Unterschied und sollte beim Mahlen der Kaffeebohnen immer berücksichtigt werden. Aber warum ist das so? Der Mahlgrad bestimmt die Fließgeschwindigkeit und Extraktionszeit eures Kaffees. Wichtig ist vor allem, dass euer Kaffeepulver immer homogen ist, die einzelnen Körnern also immer die gleiche Größe haben. Ist das nicht der Fall, fließt das Wasser nicht gleichmäßig durch den Kaffee. Die Aromen werden dann ungleichmäßig abgegeben und es besteht die Gefahr, dass euer Kaffee säuerlich oder bitter schmeckt. Das gleiche passiert, wenn ihr einen zu feinen oder zu groben Mahlgrad für eure Zubereitungsmethode wählt. Dann fließt das Wasser zu schnell oder zu langsam durch euren Kaffee und somit ist die Extraktionszeit entweder zu gering oder eben zu lang, um alle Aromen gleichmäßig zu extrahieren.

Für normalen Filterkaffee empfiehlt sich ein mittlerer Mahlgrad zwischen 4 und 5. (1= sehr fein - 10 = sehr grob). Mit der richtigen Handmühle könnt ihr euch auch zu Hause immer frischen Kaffee mahlen und auch den Mahlgrad für verschiedene Zubereitungsmethoden verstellen. Die meisten Handmühlen haben aber den Nachteil, dass man den genauen Mahlgrad nicht erkennen kann, sondern erst ein bisschen Erfahrung sammeln muss, um zu erkennen, wie grob oder fein die Mühle eingestellt ist. Das ist zwar zu Beginn etwas mühsam, das Preis-Leistungsverhältnis der Hario Handkaffeemühle hat mich aber trotzdem überzeugt und die Mühle ist mittlerweile fester Bestandteil meiner heimischen Kaffeeausrüstung.

Hario Skerton - Handkaffeemühle mit Keramikmahlwerk

Hario Skerton - Handkaffeemühle mit Keramikmahlwerk

2. Die Wassertemperatur

Eine Person gießt mit einem Wasserkocher aus Edelstahl Wasser in einen Kaffeefilter

Filterkaffee aufbrühen

Geduld zahlt sich aus:

Da Wasser die Basis eures Kaffees bildet, ist es logisch, dass sich bereits die Wahl des Wassers auf den Geschmack des Getränks auswirkt. Egal ob Leitungswasser oder Mineralwasser, je weniger Eigengeschmack das Wasser hat, desto besser für euren Kaffee. Wichtiger als die Wahl des Wassers ist aber die Temperatur beim Aufgießen. Die ideale Wassertemperatur für Kaffee liegt bei circa 93,3 C. Viele Filterkaffeemaschinen heizen sich nicht genügend auf, sodass das Wasser, das durch den gemahlenen Kaffee fließt, oft zu kalt ist. Das verlängert die Extraktionszeit und ist für die säuerliche Note im Kaffee verantwortlich. Wer mit der Hand aufbrüht und einen Wasserkocher benutzt, sollte sich in Geduld üben. Wenn das Wasser sprudelt und der Kocher pfeift, diesen vom Herd nehmen und noch eine Minute warten, bis man den Kaffee aufgießt. So kühlt sich das Wasser auf circa 93 C ab. Der Stove-Top Kettle eignet sich dafür mit seinem langen geschwungenen Ausguss besonders gut.

Hario VKB-120HSV V60 Buono Wasserkessel

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3. Das Aufgießen

Kaffee wird in einem Filter aufgegossen

Kaffee aufbrühen

Anfeuchten und Kreise ziehen:

Um ein gleichmäßiges Fließen zu gewährleisten sollte beim Aufbrühen das heiße Wasser nicht einfach auf den Kaffee gegossen werden. Den Filter vor dem Befüllen einmal mit Wasser durchspülen. So wird einem eventuellen Eigengeschmack des Filters vorgebeugt. Und wenn ihr den Filter auf eure Tasse stellt, wärmt ihr diese praktischerweise auch schon mal an. Nachdem ihr den Kaffee in den Filter gefüllt habt, stampft ihr ihn leicht auf, damit sich eine ebene Oberfläche bildet. Als nächstes benetzt ihr den Kaffee mit Wasser bis er komplett feucht ist, aber noch nicht im Wasser schwimmt. Lasst das Ganze kurz ziehen, bevor ihr in kreisenden Bewegungen ganz langsam das restliche Wasser nachgießt.

Hario VDC-01W V60 Kaffeefilterhalter

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4. Das Brühverhältnis

Kaffeebohnen in einer Schüssel auf einer Kaffeefeinwaage

Barista wiegt Kaffee auf einer Kaffeefeinwaage ab

Die richtige Dosis:

Die “brewing ratio” bezeichnet das optimale Verhältnis zwischen Wasser und Kaffee. Als Faustregel gilt: 60 g Kaffee auf 1 Liter Wasser. Bei milderen Sorten darf auch schon mal um 5 g aufgestockt werden. Ihr solltet das Verhältnis also immer eurer Röstung entsprechend anpassen. Um auf das Gramm genau abwiegen zu können, empfehlen wir eine Feinwaage. Die normale Küchenwaage erfüllt hier aber ebenso ihren Zweck.

Coffee Gator Digitale Kaffee Waage

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Ricarda Teßmer
von Ricarda Teßmer

Studium der Skandinavistik, Literaturwissenschaften und Kunstgeschichte in Frankfurt am Main, Stockholm und Bonn. Interessiert sich für Popkultur und weiß immer, was im Norden gerade angesagt ist. Liebt Fritten, muss jeden Hund streicheln und gewinnt immer beim Stadt-Land-Fluss.