Auch 2018 sind die Rad-Modelle mit elektrischem Hilfsmotor wieder der Renner auf den Fahrradwegen. Die Modellvielfalt hat parallel zur Beliebtheit extrem zugenommen. Interessierte scheuen jedoch den Kauf übers Netz, obwohl man hier echte Schnapper machen kann. Gerade im Zeitraum um Messen und Jahreswechsel herum werden einige Hersteller so ihre Vorjahresmodelle los, ohne sich im Shop die Preise selbst zu drücken. Natürlich gibt es auch echte Flops. Mit einigen wenigen Tipps kommt man trotzdem ohne großes Risiko online supergünstig an sein Traum-e-Bike!

Wichtig: Ein solides e-Bike ist kein Standardrad mit nachträglich aufmontiertem Antrieb, sondern eine von vorneherein auf höheres Gewicht, mehr Power und Speed ausgelegte Konstruktion – zu erkennen am „integrierten“ Antrieb, wenn Akku und Motor sowie Kabelage quasi in der Silhouette des Rades verschwinden. Bei Motoren im Vorderrad ist das ganz selten der Fall – leider oft Plunder. Motoren am Tretlager arbeiten dafür sehr ökonomisch, sind also für lange Strecken und Pendler top. Antriebe im Hinterrad schonen die Schaltung, sind fast lautlos und meist aus dem Stand beeindruckend stark.

Weniger ist mehr: Durch die Extrapower muss man praktisch kaum schalten, Wettrüsten mit möglichst vielen Gängen ist Unsinn - acht bis elf Gänge sind genug! Räder unter 1200 Euro (UVP) solltest du lieber ohne komplizierte Federung, Bordelektronik oder Scheibenbremsen kaufen, denn allein ein Akku kostet immer über 400 Euro. Da kann der Rest kein Markenprodukt sein!

Apropos Marken: Noname-Motoren aus Asien sind vielleicht uneffektiv, aber ungefährlich. Sie kommen aber stets mit billigen Akkus und Steuersystemen, die sehr schnell an Kapazität verlieren und unbrauchbar werden. Vertrauenswürdige Klassiker der Branche kommen vom Platzhirsch Bosch, von Shimano, AEG, Continental, Yamaha, Qwic, Neodrives, Brose, Panasonic, Bafang, Fazua, Kappstein oder GoSwiss. Achtung: Die maximale Leistung muss auf 250 Watt begrenzt sein und der Motor nur bis 25 km/h anschieben. Denn sonst fällt das Rad aus der sogenannten „Pedelec“-Klasse raus und wird zum stark reglementierten und steuerpflichtigen Kraftrad!

Was die Größe angeht, kann man sich auf die Empfehlungen des Herstellers eher verlassen als auf diverse Formeln im Umlauf. Wer auf der Grenze liegt, wird tatsächlich meist mit der größeren Rahmenhöhe glücklicher! Ein Indiz für einen billigen Blender ist übrigens oft der Reifen: Markenhersteller wie Schwalbe und Continental, vor allem mit Pannenschutz, sind da ein gutes Zeichen! Diese sechs Räder hier haben unseren Bike-Experten besonders gut gefallen.

Bulls E-Bike Twenty9 E Street - Für Allround-Fahrer

Bulls E-Bike Twenty9 E Street - Für Allround-Fahrer

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Als PKW würde man es wohl einen Crossover nennen! Das Rad mischt moderne 29-Zoll-Räder eines Geländebikes mit großem Umfang und leichtem Lauf mit voluminösen Reifen, aber feinerem Profil. So rollt es sehr leicht auf Straßen, steckt aber ohne jedes Problem Feld-, Wald und Wiesenwege weg. Der Rahmen wirkt sportlich und ist nicht besonders schwer, hat aber eine eher auf Komfort ausgerichtete Geometrie - man sitzt aufrechter als auf einem Mountainbike. Die Luft-Federgabel ist kein Blendwerk, sondern arbeitet erfahrungsgemäß gut und zuverlässig, wenn auch 120 mm Federweg fast schon zu viel des Guten sind! Dazu ist sie sensibel aufs Körpergewicht einstellbar.

Die Scheibenbremsen sind grundsolide, besonders bei Regen oder schmutziger Fahrbahn würden viele von ihrer Bremsleistung beeindruckt sein. Dass sie bei langen, schnellen Gebirgsabfahrten oder mit einem Anhänger am Rad mal heiß werden können, ist zu verschmerzen!

Wer viel transportieren will, findet das einzige Manko im maximalen Gesamtgewicht. Abzüglich des Rades und eines 80 Kilo Fahrers dürfte man gerade noch 11 Kilo zuladen. Dabei bietet sich der formschöne Heckträger für Packtaschen geradezu an. An ihm und am Lenker befindet sich übrigens je eine Leuchte von Spezialist „Supernova“, die aus dem Hauptakku gespeist werden – sehr edel und unanfällig! Man muss aber erwähnen: Ohne zusätzliche Reflektoren in alle Richtungen ist dies nicht zu 100 Prozent StVZO-konform!

Corratec E-Power X Vert 29er Performance - Für Bequem-Fahrer

Corratec E-Power X Vert 29er Performance - Für Bequem-Fahrer

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Die Spezialität der X Vert mit 29 Zoll Rädern ist der Mountainbike-Marathon. Das heißt nicht, dass man damit Langstreckenrennen fahren muss, Marathon bezeichnet Geländestrecken mit festen oder losem Untergrund, nicht zu heftigen Hindernissen und Steigungsprozenten – kurzum Pfade, Wege und Trails durch Feld und Wald. Da können die großen Räder und guten Reifen tun, was sie am besten können: rollen! Und das können sie locker auch über kleine Unebenheiten hinweg. Dabei helfen die sensible und nicht zu wuchtige Luftfedergabel und, nicht zu unterschätzen, die dünne und leicht nach hinten verlaufende Sattelstütze.

Weil es mit „X Vert“ eher lange und flach als ständig hoch und runter geht, passt der nicht ganz so drehmomentstarke, dafür sparsame Bosch-Motor aus der „Performance Line“ prima. Aus dem 500-Wattstunden-Akku im Unterrohr kann man bis 180 Kilometer rausholen, wenn man dem Drang widerstehen kann, ständig auf die Tube zu drücken - genau dazu verleitet das Pedelec allerdings gerne.

Ebenfalls nicht für alpines Gelände gemacht: die Tektro-Bremsen. Die Scheiben sind zwar ordentlich groß, und Hitze ist kaum ein bis kein Problem, aber die Bedienkräfte sind etwas höher als bei Magura oder Shimano. Zarte Hände könnten auf kilometerlangen Abfahrten müde werden.

Zumindest am Heck ließe sich nachträglich ein Träger montieren, ein Lichtanlage ist bei solch sportlichem Rad nicht vorgesehen, Akkusteckleuchten als Zubehör natürlich natürlich möglich. Platz genug ist am Lenker, dank des kleinsten der Bosch-Displays - das sieht spitze aus und wackelt nicht im Gelände!

Fischer Em 1723 - Für Sparsam-Fahrer

Fischer Em 1723 - Für Sparsam-Fahrer

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Die Marke Fischer kennt man hauptsächlich von den Verkaufsflächen in Baumärkten und Discountern wie real,-. Um deren Niedrigpreis halten zu können, sind diese Bikes oft fair, aber einfach zusammengestellt. Und auch beim deutlich besser ausgestatteten EM 1723 hat man gespart, aber, wie wir finden, genau an den richtigen Stellen.

Optisch steht das Rad sportlich da, und dank des sehr direkten Heckantriebs fühlt man sich auch wie ein echter Sportler. Ähnlich dem Bulls sitzt man aber etwas aufrechter, so kann man auch als E-Bike-Neuling die Kapazität der Panasonic-Akkuzellen stundenlang ausnutzen. Mit der breiten Geländebereifung fühlt man sich dabei auf den meisten Untergründen sicher. Für harte Geländeeinsätze sind Bremsen und Federgabel dann aber doch nicht ausgelegt, dennoch weit über „Baumarkt-Niveau“! Die Kettenschaltung hat neun statt elf Gänge, das ist angesichts der Motorpower aber irrelevant. Da dessen Power nicht über die Kette, sondern direkt aufs Hinterrad geht, werden Kette und Zahnräder etwas länger halten als bei Mittelmotoren.

Coole Boni: Der Computer des Antriebs am Lenker verfügt nicht nur über einen Ladeport für Smartphone und Co., sondern kann über Bluetooth und Handyapp sogar zum Navi werden. Verstärkte Ösen an den hochwertigen Speichen machen die Laufräder zu einem Highlight des Bikes, das mit 25,5 Kilo für ein Pedelec sogar gar nicht mal schwer ist! Wegen des ruhigen Laufs und fehlender Beleuchtung ist das Fischer-Modell für uns das Rad für Ausflüge in die Natur zum Hammerpreis!

Haibike SDURO FullNine 9.0 11-G XT - Für Cross-Fahrer

Haibike SDURO FullNine 9.0 11-G XT - Für Cross-Fahrer

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Besonders auffällig am Haibike ist der flache Lenkwinkel von 67 Grad. Das Vorderrad läuft satte 30 Zentimeter vor dem zentralen Drehpunkt der Gabel. Auf solch „vorgeschobenem Posten“ verhalten sich Vorderrad und Lenkung extrem stabil und spurtreu. Die Geometrie verschiebt das Gewicht des Fahrers Richtung Hinterbau. Das zu erwartende Wippen beim Treten: Fehlanzeige! Auf nahezu allen Terrains zeigt sich das Rad trotz der rekordverdächtig langen Bauweise erstaunlich agil. Enge Trails mit langsamen Spitzkehren sind tatsächlich die einzige kleine Schwachstelle.

Solange man am Boden bleibt, spielt der bärenstarke Bosch-Motor für das Fahrverhalten kaum eine Rolle. Nur bei Sprungmanövern spürt man das Zusatzgewicht. Die Bodenfreiheit ist kaum beeinträchtigt, da der Motor um 26 Grad rotiert eingebaut und mit einer Verkleidung top in die Linie integriert wurde. Bergan spielt der drehmomentstärkste Motor seine Power aus. In Verbindung mit dem breiten Übersetzungsband ist eher die Haftung des Vorderrades der begrenzende Faktor als die Antriebspower.

Durch die elf Gänge verhilft ein „Shadow“-Schaltwerk mit hoher Spannung nebst Zusatzspannrolle zu zuverlässigem Kettenlauf unter härtesten Bedingungen. Dank Magura „MT5“ Bremsen mit jeweils vier Kolben und großen Scheiben hat das XDURO sogar Downhill-Qualitäten! Die zweifach Luftfederung spricht supersensibel an, da kommt Limousinen-Feeling auf!

Das Gesamtpaket ist vielleicht nicht billig, dafür kann das Rad tatsächlich fast alles!

Winora Sinus iN8 urban - Für Sorglos-Fahrer

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Unauffälligkeit ist der erste Checkpunkt beim Diebstahlschutz. Dass man dem Sinus seine Qualitäten also nicht gleich ansieht, könnte zum Konzept gehören. Wir mochten die klaren Linien und vor allem den sportlich tief sitzenden Gepäckträger sehr.

Im dicken Unterrohr des Rahmens sitzt der große Bosch-Akku mit 500 Wattstunden. Clever eingesetzt reicht das für 120 bis 140 Kilometer. Angetrieben wird das Rad vom „zahmeren“ Performance-Line-Motor mit etwas weniger Drehmoment. Dessen Ansprechverhalten passt wirklich gut zum coolen Stop-and-go in der City. Genauso prima: die Nexus-Schaltnabe, die man auch im Stand bedienen kann und deutlich weniger Pflege braucht als Kettenschaltungen. Die Übersetzungen sind dank Motor auch steil bergan ausreichend. Mehr als ausreichend sind die 130 Kilo Gesamtgewicht. Der Fahrer darf also gerne auch kräftiger sein. Nicht ganz so traglästig ist der wunderschöne, ins Schutzbleck integrierte Heckträger. Ihm sollten nicht mehr als 15 Kilo aufgebürdet werden.

Die Bremsen wären bei hochsportlichen Rädern noch gerade okay, bei einem Cruiser wie dem hier sind sie super. Da man wenig Stützlast auf dem Lenker hat, reicht eine Stahlfedergabel. Wer Komfort mag, sollte eine gefederte Sattelstütze nachrüsten.

Wie beim Bulls sind unauffällige LED-Lampen eingebaut, die Nutzung des e-Bike Akkus fürs Licht ist übrigens seit kurzer Zeit legal! Da die komfortablen und recht pannensicheren Reifen über einen Reflexstreifen verfügen, ist das Bike absolut StVZO-zugelassen – bis auf die Klingel!

Merida eNINETY-NINE XT-Edition EQ - Für Premium-Fahrer

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Auf diesem Rad wird jede Bordsteinkante zum irrelevanten Nichts an Hindernis! Durch den viergelenkigen Hinterbau und den hochwertigen Dämpfer kommen Schläge nur ums vielfache abgemildert zum Fahrer durch. Auch die Federgabel mit Tauchrohren aus Magnesium und wartungsarmen Luftbälgen arbeitet top, ist zusätzlich vom Lenker aus „versteifbar“, im Wiegetritt sehr praktisch! Und was diese beiden nicht wegfedern, schlucken die fetten Conti-Schlappen im 29-Zoll Format. Auf trockenem Untergrund greifen sie auch offroad sehr gut. Ihre Spezialität ist aber das effektive Rollen!

Das gilt auch für den Shimano-Steps-Motor. Dieser ist deutlich kleiner als der Bosch, hat die gleiche Leistung, aber man spürt es weniger deutlich, da aus dem Stand die Power nicht so abrupt einsetzt – für alle, die sich fahrerisch weniger zutrauen sicher ein Plus! Wer technikaffin ist: Der Motor ist für die elektronische Schaltung Di2 vorbereitet. Heißt: Wer in naher Zukunft nachrüsten möchte, kann den Automatik-Modus nutzen, in dem Gang und Antriebsleistung elektronisch der Tretleistung und -frequenz des Fahrers angepasst werden! Aber auch die 11 Gänge der hochwertigen XT Shadow lassen sich schon hochkomfortabel bedienen und sind außerdem sehr langlebig.

Der Akku hat übrigens die gleiche Kapazität wie die von Bosch, erfahrungsgemäß ist die Reichweite eine Winzigkeit größer. Die braucht man auch, denn außer der Federung ist auch die Sitzhaltung sehr bequem, und der Heckträger hat Kapazität für jede Menge Proviant. Tipp: Wer etwas sportlicher fahren will, nimmt jeweils die größere Rahmenhöhe!

Timo Dillenberger
von Timo Dillenberger